Natürliche Bienenhaltung

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Darwinistische Bienenhaltung

Thomas Seeley macht Vorschläge

Das englische Original unserer Zusammenfassung finden Sie im Internet hier: Darwinian Beekeeping by Tom Seeley – Natural Beekeeping Trust

Die Zeitschrift „bienen und natur“ veröffentlichte in den Ausgaben Nr. 8-10/2017 einen dreiteiligen Beitrag des Bienenforschers Thomas Seeley über „Darwinistische Bienenhaltung“ .

Fälschlicherweise wird unter Darwinismus das „Überleben des Stärkeren“ verstanden; gemeint ist aber die Evolution der Arten durch natürliche Selektion und bedeutet die Fähigkeit sich an spezifische Umweltbedingungen anzupassen. Seeley ist der Ansicht, wenn wir die Erkenntnisse von Charles Darwin nutzen würden und eine evolutionäre Sichtweise auf die Bienenhaltung anwenden, dies zu einem besseren Verständnis der Krankheiten unserer Bienen führen würde und ebenso die Form unserer Bienenhaltung verbessern würde. Der entscheidende Punkt hierbei ist, dass die natürliche Selektion die Fähigkeiten der Arten maximiert, ihre Gene an zukünftige Generationen weiterzugeben; Bienenvölker, die gut ausgestattet sind mit Genen für das Überleben und die Reproduktion in ihrer Region, haben den größten Erfolg im Weitergeben ihrer Gene an die nächste Generation und so werden die Bienenvölker einer Region bestens an ihre Umwelt angepasst.

In seinen Ausführungen stellt er die wilden Honigbienenvölker jenen vom Menschen gehaltenen gegenüber und meint: “… und Sie werden sehen, wie beträchtlich die Unterschiede sind, und können daraus Ihre eigenen Schlüsse ziehen.“ Er zeigt dann an 20 Beispielen, wie sich wilde und bearbeitete Bienenvölker unterscheiden.

Nachfolgend nun eine kleine Auswahl der von Seeley zusammengestellten Beispiele.

Besiedlungsdichte (weit verstreut – eng aufgestellt)

Eng aufgestellte Bienenvölker leben in größerem Wettbewerb um Trachten, haben ein größeres Risiko, ausgeraubt zu werden, und größere Probleme bei der Fortpflanzung. Die schädlichste Konsequenz aus der Anhäufung von Völkern ist wahrscheinlich jedoch die zunehmende Anfälligkeit gegen Krankheitserreger und die Übertragung von Parasiten zwischen den Völkern

Nisthöhlenvolumen (kleine Nisthöhle – große Beute)
Völker in großen Beuten haben mehr Platz für große Honigvorräte, aber sie schwärmen auch weniger, weil der Raum nicht so begrenzt ist. Dies schwächt die natürliche Selektion auf starke, gesunde Bienenvölker, weil weniger Völker sich vermehren. Völker in großen Beuten haben außerdem größere Probleme mit Brutparasiten wie der Varroamilbe.
Propolisschutz (ausgeprägt – gestört)

Ein Leben ohne Propolisschutzschicht im Nest verstärkt den Aufwand des Bienenvolkes im Kampf gegen Krankheitserreger. Bei Völkern mit einer unvollständigen Propolisschutzschicht müssen die Arbeitsbienen mehr in ein kostspieliges Immunsystem investieren.

Naturwabenbau (frei – gehemmt)

Die Völker an der Aufzucht von Drohnen (durch Mittelwände) zu hindern, steigert zwar die Honigproduktion und bremst die Varroareproduktion, aber sie behindert auch die natürliche Selektion auf Gesundheit, da die besten Völker ihre Gene nicht durch alle Drohnen weitergeben können.

Königinnen-Auswahl (frei – bestimmt)

Wenn wir bei der Königinnenzucht Larven in künstliche Weiselbecher legen, verhindern wir, dass die Bienen selbst auswählen, welche Larve sich zu einer Königin entwickelt. Eine Studie hat ergeben, dass die Bienen bei der Nachschaffung nicht zufällig entscheiden, welche Larve genommen wird, sondern bestimmte Patrilinien bevorzugen.

Seeley erläutert seine Vorstellungen, wie Bienenvölker auch heute möglichst ähnlich ihren wilden Artgenossen überleben können. Dafür hat er den Begriff „Darwinistische Bienenhaltung“ geprägt und macht zehn Vorschläge für eine bienenfreundliche Imkerei:

“Arbeiten Sie mit an den Standort angepassten Bienen!”

Zum Beispiel, wenn Sie im Norden der USA leben, kaufen Sie Königinnen und Ableger aus dem Norden anstelle von Königinnen und Paketbienen aus dem Süden. Oder, wenn Sie an einem Standort leben, an dem es wenige Imker gibt, beginnen Sie mit einem Schwarm aus der Region. Schwärme bauen schöne neue Waben und ermöglichen es Ihnen, alte, belastete Waben auszusortieren. Der Grundgedanke dahinter ist, Königinnen einer Linie zu bekommen, welche an das örtliche Klima angepasst ist.

“Verteilen Sie die Bienenstöcke weiträumig!”

Wo ich lebe, zentral im Staat New York, gibt es große Wälder mit unbetreuten Honigbienenvölkern, im Durchschnitt etwa eine halbe Meile (ca. 0,8 km) voneinander entfernt. Dies ist vielleicht ideal für wilde Völker, aber problematisch für den Imker. Aber auch eine Verteilung im Abstand von etwa 25 – 45 Metern reduziert den Verflug und damit die Ausbreitung von Krankheiten.

“Nehmen Sie kleine Beuten!”

Überlegen Sie, die Bienen in einem großen Brutraum und einem mittelgroßen Honigaufsatz über Absperrgitter zu halten. Dabei kann zwar nicht sehr viel Honig geerntet werden, aber Krankheits- und Schädlingsprobleme, insbesondere Varroa, werden reduziert. Und ja, die Völker werden schwärmen, aber das Schwärmen ist natürlich, und Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die Volksgesundheit gefördert wird, indem es die Varroa-Population auf einem vertretbaren Level hält (Loftus et al., 2016).

“Rauen Sie die Innenwände auf!”

Bilden Sie die Innenwände der Beuten aus ungehobeltem Holz oder rauen Sie es auf. Dies stimuliert die Völker, die Innenwände ihrer Beute mit Propolis auszukleiden und damit einen antimikrobiellen Umschlag um ihr Nest anzufertigen.

“Benutzen Sie Beuten mit guter Isolation!”

Dies können Beuten mit dicken Holzwänden sein oder Beuten aus Kunststoffschaum. Wir brauchen dringend Forschung, wie viel Isolierung die Bienenvölker in den verschiedenen Klimaten brauchen und wie diese am besten ausgeführt sein sollte.

“Stellen Sie die Völker höher!”

Das ist nicht immer machbar, aber wenn Sie eine Veranda oder ein Dach haben, können Sie dort vielleicht einige Bienenvölker unterbringen. Wir sollten dringend erforschen, wie hoch der Eingang in verschiedenen Klimaten sein sollte.

“Lassen Sie 10 bis 20 % Drohnenwaben zu!”

Den Bienenvölkern die Möglichkeit zur Aufzucht von Drohnen zu geben, kann die Genetik der Bienen in der ganzen Umgebung verbessern, denn viele Drohnen aufzuziehen, ist nur den stärksten und gesündesten Völkern möglich, Leider bringt die Drohnenbrut auch ein rapides Wachstum der Varroa-Population mit sich, sodass eine sorgsame Beobachtung des Varroabefalls in den Völkern notwendig ist.

“Minimieren Sie die Eingriffe!”

Wenn ein Eingriff in den Nestbau vorgenommen wurde, sollten die Rähmchen in ihre vorherige Position und Orientierung zurückgestellt werden. Vermeiden Sie außerdem, leere Rahmen in das Brutnest zu geben, um das Schwärmen zu verhindern.

“Vermeiden Sie das Wandern!”

Verbringen Sie die Bienenvölker so wenig wie möglich an neue Standorte. Wenn das unbedingt sein muss, dann während einer Zeit, zu der wenig Tracht anfällt.

(Die letzte Empfehlung muss noch umformuliert werden)

“Unterlassen Sie die Behandlung gegen die Varroa!”

WARNUNG: Diese letzte Anregung sollte nur beherzigt werden, wenn sie sorgsam ausgeführt werden kann. Sonst kann schnell eine Situation entstehen, in der stark ansteckende Varroamilben statt varroaresistenter Bienen entstehen. Um die natürliche Selektion auf resistente Bienen zu fördern, müssen die Befallsdaten aller Völker regelmäßig erfasst und Völker, deren Milbenpopulationen schon vor dem Zusammenbruch himmelwärts stürmen, aussortiert werden. Durch das vorzeitige Ausselektieren der Varroa-anfälligen Völker entstehen zwei wichtige Dinge: 1.) die Völker, die keine Varroaresistenz entwickeln, werden eliminiert, und 2.) die Entstehung von „Milben Bomben“, die massenweise Milben in andere Völker verteilen, wird verhindert. Wenn das Selektieren unterbleibt, können auch die am meisten resistenten Völker in der Nähe der zusammenbrechenden Völker mit Milben überschüttet werden und selbst sterben. Dann kann sich keine natürliche Selektion auf Milbenresistenz im Bienenstand entwickeln. Wird nicht selektiert, können auch besonders ansteckende (virulente) Milben auf die benachbarten Bienenstände übergreifen sowie auf wildlebende Völker im gleichen Gebiet, die gerade dabei sind, eine natürliche Resistenz zu entwickeln. Wenn man nicht bereit ist, Milben-anfällige Völker zu eliminieren, müssen diese behandelt und mit einer Königin aus einer Milben-resistenten Linie umgeweiselt werden.

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